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Montag, 12. Oktober 2009

Soermlands-Ultra-Marathon

... Laufen. Aber nun, ich war mit Jenna und Maike verabredet und es sollte mein erster Ultra werden. Sicher auch, um fuer mich die Gewissheit zu haben, dass mein Marathonausstieg in Zeeland die Woche zuvor "nur" tagespech war. So frueh morgens in Schwedischer Kaelte. Naja, nach einem Kaffee, Broetchen und einer Banane war ich wach genug. Als der Zug nach Stockholm einfuhr, lag ein duenner Hauch von Morgennebel ueber der Stadt, die Sonne kam langsam durch und es sah so kalt aus, wie es auch war.
Wir waren zeitig dort, es gab Kaffee umsonst, Umkleiden, so dass man nicht total auskuehlte und mehr nicht - reicht ja auch. Nun die Planung, was anzieh'n, da ich einfach einen schoenen Lauf machen wollte, und keine Ambitionen hatte, entschied ich mich fuer schon warme Klamotten incl. Handschuhe. Meinen Laufrucksack mit dem ein oder anderen Zeugs nahm ich auch mit, mitnehmen kann man ja immer was, auch wenn ich trotz der nur 5 Verpfegungspunkte nur einmal einen Schluck aus der mitgeschleppte Wasserflasche nahm. Fuer die Kamera sollte der Rucksack allemale gut sein. Um 10 Uhr wurde gestartet. Schon das war mal komisch, irgendeine Freifaeche im Gruenen und ohne Startschuss ging's los. Wir standen ganz hinten am falschen Ende, ausserdem war ich noch damit beschaeftigt meinen mp3-Player wegzupacken, da der nicht funktioniern wollte. Naja, egal weil es ein Punkt-zu-Punkt Lauf war und die Strecke recht kreuz und quer, hoch und tief ueber Radwege, viele Waldpfade, einige Steige und breitere Waldwege verlief, gab's auch eine Streckenkarte zum Mitnehmen fuer den Fall der Faelle. Ich hab mich zweimal verlaufen, wobei einmal lediglich kurz und das zweite mal rund 500-1000m. Die einigermassen gut mit kleinen Flatterbaendchen markierte Strecke war ansonsten gut zu finden und meist hatte ich irgendjemanden im Blick, so dass ich einigermassen zielstrebig laufen konnte. Die erste Verpfegung kam erst bei 17km, dort stoppte ich richtig. Isodrink, Bananen und Salzguken waren in dem Moment schon das richtige! Weiter ging's irgendwie pendelte ich mich so zwischen einigen Leuten ein. Rannte mal etwas vor, um zu knipsen, aber ansonsten lief's ganz gut. Die Strecke ist genial! Hier ein See, dort ein einsames Holzhaus, viele und lange fordernde Abschnitte durch den Wald, aber auch mal wieder einige Kilometer ebene Strecke, um etwas abzuschalten, aber irgendwie schon ein richtiger Trailrun. Ab 24km lief ich mit einem Schweden zusammen, den ich letztlich auch bis in Ziel begleitete. Da ich voellig ohne Zeitdruck war, war es mal echt angenehm zu plaudern und sich ueber Sport in Schweden und Deutschland auszutauschen - welch extreme Outdoor-Events es in Schweden noch so gibt, Wahnsinn! Wir sammelten nach 35km noch einige Laeufer ein und es lief total rund. Eher eine mentale Sache, fuer mich zumindest. Aber etwas Labern und die hohe Konzentration bei den vielen trickreichen Passagen machten den Lauf interessant. Der Schwede wurde irgendwann etwas muede, aber ich blieb bei ihm und wir finishten deutlich unter seiner angepeilten Zielzeit von 4:30 Std. Zieleinlauf war ein Beachvolleyballfeld; der Sand stimmte mich dann doch etwas nachdenklich ;-)

Im Ziel gab es gute Verpflegung, saubere Duschen und ich konnte recht angenehm auf Jenna und Maike warten. Jenna lief nach rund 5:09 Std. und Maike nach rund 6 Std. durch's Ziel. Ich war zufrieden, hatte einen schoenen Lauf, sah viel tolle Natur und sehe, dass ich 42km+ doch schaffen kann. Maike war ebenso angetan, Jenna eigentlich auch, wobei sich ihre Freude etwas in Grenzen hielt. Die sehr ambitionierte 5 Std. Marke konnte sie nicht halten, wobei es bei ihr wohl auch eher der Kopf denn der Koerper war. Abends trafen wir im Pub einer Nation, passenderweise hatte Jenna naemlich auch Geburtstag an diesem Samstag. wir plauderten noch etwas und dann war es fuer mich Zeit "Goodbye" zu sagen. Was bleibt sind etwas unflexible Beine beim Stockholm-Durchwandern am Sonntag und ein fantastische Erinnerung an meinen laengsten Lauf bisher - zeitlich wie entfernungsmaessig.
Mehr Bilder:
http://picasaweb.google.se/LindaPersson84/SUM2009?authkey=Gv1sRgCMreuqjy7tyQmAE#
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Visiting Uppsala

Das, was mir den Abschied Ende Juli einfacher machte, war sicher die Gewissheit wieder nach Uppsala zu kommen - der Flug war damals ja immerhin schon gebucht. Nachdem Ryanair den Hinflug ersatzlos strich, ich aber tagsgleich einen Flug von Weeze zu einem anderen Stockholmer Flughafen buchen konnte, war ich guter Hoffnung, dass alles glatt geht. Nun dann, Mittwoch ging's los. Praktisch mal wieder Verwandte am Niederrhein zu haben, einmal fuer den Flughafen-Service und zudem weil es immer unterhaltsam dort ist. So sass ich dann auch passend um 12 Uhr im dichtgepackten, werbeausgeschmueckten Ryanair Flieger. Mein Mitbringsel in Form von (sehr festem) deutschen Honig, durfte ich direkt einmal nicht mit an Bord nehmen. Formbar! Koennte ja eine Bombe sein... klar, danke Amerika und 09/11!
Naja, der Sekt aus dem Flughafenshop tut's in Schweden auch. Wie auch immer. Ich verlies das wolkenbedeckte Deutschland, und bereits an der Nordkueste klarte es deutlich auf. Schoen Daenemark und Schweden von oben zu betrachten. Selbst nach einigen Fluegen, bin ich stets fasziniert, wieviele Seen und grosse Buchten es in Skandinavien gibt. In Stockholm war es dann recht warm und mir wurde innerlich noch waermer, als ich wieder Schwedischen Boden betrat - ein Grinsen im Gesicht dazu. Da diesen Tag mein Handy noch funktionierte - die Folgetage waren etwas "steinzeitaehnlich" Handylos - konnte Nirmala (mein Lieblings-Gastgeber) und ich uns um 16 Uhr am Stockholmer Hbf treffen und gemeinsam nach Uppsala fahren. Oh - es ist so schoen wieder hier zu sein / gewesen zu sein. Alles ist nach zwei Monaten noch total vertraut, lediglich die Sonne senkt sich nun wesentlich frueher, die Kleidung ist etwas "unattraktiver", aber immer noch stylisch im Vergleich zu Deutschland, wie ich finde, ja und der Herbst ist hier schon richtig angekommen und die Baeume schimmern farbenfroh. Abends kamen drei Freunde (Daenisch, Finnisch, Etiopisch) zu Nirmala und mit Lassagne, Sekt, Wein und meinem geliebten Mintu-Black liess sich der Urlaub gut einlaeuten. Dank Gepaeckbegrenzung hatte ich einige Klamotten bei Nirmala "uebersommert" und war ueberrascht, was alles so hier ist - sogar Kleidung, die ich verlegt glaubte.
Donnerstags musste Nirmala den ganzen Tag in Stockholm arbeiten, ich konnte meine Schuhe schnueren und erstmal in firschem Morgenfrost einen Lauf durch die Schwedische Natur machen. Leider aergerte mich da ein weiteres Mal mein misslungenes Marathon-Strandwochenende in NL, denn nach 22 km rieselt so viel Restsand in den Schuhen und Socken zusammen, dass es wieder Blasen gibt. Wie dem auch sei, den Tag lief ich einfach durch Uppsala - zufrieden und gluecklich mit all den Eindruecken und Erinnerungen. Ich versuchte die Herbststimmung einzufangen, sass hier, sass dort, genoss den strahlend blauen Himmel bei recht kuehlen Temperaturen. Nachmittags traf ich eine Freundin und fruehere Nachbarin von mir, schoen einige Leute wieder zu sehen und sich ueber Altes und Neues auszutauschen. Weil Nirmala meinte, mein "fremdangekettetes" Rad (von jemand Fremden einfach angeschlossen und damit nutzlos fuer mich) staende noch immer am Bahnhof, so war es dann auch, fasste ich den Entschluss, es "zurueck zu klauen". Gluecklicherweise reichten dazu Seitenschneider und rohe Gewalt, und ich hatte ein Rad fuer den Urlaub, das ich hinterher wohl einer Freundin vererbe.

Mein Freitags-Highlight war klar das Abendessen. Nachdem ich tagsueber wieder einfach Uppsala und Umgebung genoss, bestimmt einige Kilometer hin und her gelaufen und schwedentypisch Schwimmen und Saunieren war, ging's abends zu Mossab. Mossab ist Etiopisch und ist ein komischer Tisch/Essensgefaess. Ich war nie zuvor etiopisch Essen und danke etiopischer Begleitung war klar was bestellt wurde. Also ich kann es jedem empfehlen und anstatt Besteck ist man schoen einfach mit den Finger und greift mit einem recht geschmacksneutralem, sehr weichen Brot das Essen - wie cool, sehr lecker und wuerzig.
Nachher noch schoen was trinken gehen und um 1:30 Uhr auf die Matraze.
Als Samstag Morgen um kurz nach 6 Uhr dann mein Wecker schellte, war mir nicht so sehr nach..... (naechster Blog).

Mittwoch, 24. Juni 2009

Mittsommer


Das war touristisch - Sonntag nach Åland, Montag mit Tino und Angela in Uppsala und Dienstag in Stockholm Tourist gespielt; aber eins nach dem anderen.
Eigentlich wollte ich Samstag nur kurz mit Freunden in der Stadt "fikan" (Fika = bezeichnet alles, was irgendwie mit hinsetzen, essen und trinken zu tun hat, solange es nicht abends ist; super Wort also). Aus dem kurz ist dann ein 8Std. Komplettprogramm geworden, und wir haben noch bei Nirmala gekocht. Ich trug diesesmal allerdings nur als Teig-Knete-Boy die Verantwortung. Irgendwann nach vormitternachtlichem Kaffee, einigen Falafeln, Salat und selbstgebackenem Brot hatten wir so lange durchgehalten, um einen Blick in den 0 Uhr Himmel - hin zum längsten Tag im Jahr (21. Juni) - zu genießen.

Sonntag musste ich für meine Verhältnisse recht früh raus. Um 8 Uhr hatte ich bei Freunden zu sein. Wir sind zusammen nach Åland aufgebrochen. Praktischerweise mit eigenem Auto und Navi. Die Navivorhersage der Reisezeit von 1:45Std. schockte erst, da so die Fähre wohl ohne uns gen Finnland ausgelaufen wäre. Aber dank Fides, die scheinbar deutsche Geschwindigkeiten gewohnt ist, klappte das auch locker in gut einer Stunde. Sehr gut! Das Wetter war mit kühlen 10°C und Wolken vorhergesagt, aber naja, angekommen auf Åland - seht selbst.

Nach Stops hier und dort und nachdem wir die "riesen" Inselhauptsadt erkundet hatten, suchten wir einen Grillplatz am Wasser. Grillen a) weil es so super draußen war und Grillen da das Perfekte ist und b) weil die Preise auf Åland locker nochmal das 1.5 fache von den schwedischen sind.
Wie auch immer, das Navi führte uns einige Schotterpisten entlang an die einsamsten Ecken der Insel, da dort aber leider immer eine einsame Hütte stand und den Leuten dann auch gleich das ganze Ufer gehört, dauerte die Suche etwas. Letztlich konnten wir einen schönen Fleck nahezu alleine am Strand ausmachen und entspannt grillen.
Anschließend noch schnell zwei Ruinen und einen Aussichtspunkt besucht, und dann nach 10 Std. Insel zurück zur Fähre.
Mittlerweile war es 23 Uhr, die Fähre war um 24 Uhr (schw. Zeit) wieder in Grisselhamn und diese Kulisse bei Nacht werde ich wohl nicht mehr vergessen!

Irgendwann um 2 Uhr lag ich dann nach einem beeindruckenden Tag voller schöner neuer Eindrücke im Bett und hätte beinahe wieder die Sonnenbrille aufsetzten können ;-)

Montags kamen Tino und Angela nach Uppsala und wir hatten einen schönen Tag hier. Mein Highlight war aber Stockholm am Dienstag. Selbst wenn ich nun schon einige Mal in Stockholm war, die Stadt ist immer wieder klasse. Und es finden sich Ecken und Gebäude, die ich noch nicht gesehen hatte. Von Langeweile also keine Spur.
Dank Angela und Tino war es natürlich nochmal um vieles besser und ich denke, für uns drei waren die zwei Tage nahezu perfekt und wir konnten einige Zeit zusammen verbringen.
Ach und übrigens, meine Bekannte hat ihren ersten Marathon in 3:51 Std. gelaufen.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Besser Wetter

Stille: das kaum zu glaubende kam am Montag, der Regen hörte auf. Nachdem es tagelang echt wie aus Eimer geregnet hatte, ich komplett faul und unsportlich in Uppsala rumvegetierte und meine Stimmung echt nicht allzu super war, geht's nun scheinbar wieder aufwärts.
Dennoch habe ich mich entschieden meine geplante Gotland-Tour zu verschieben.
Dienstag bin ich seit über einer Woche das erste Mal wieder gelaufen und bin nun mal voller Hoffnung, dass all meine Beinprobleme vergangen sind - sehr dynamisch fühlte sich das erste "Joggen" allerdings nicht an.
Abends war eine Freundin von mir nocheinmal für eine kurzen Zwischenstopp in Uppsala. Wir hatten die grandiose Idee gemeinsam zu kochen, auch wenn ich letztlich zum Chefkoch befördert wurde, war das Ergebnis lecker - etwas scheine ich doch während meine Zeit in englischen Küchen gelernt zu haben. Leider musste ich mich dann von Katy wieder verabschieden, da sie für Monate durch Amerika reist.
Nachdem ich gestern am Vormittag verzweifelt versuchte das Rad eines Freundes zu reparieren, entschied ich mich mit meinem Fahrrad im Aufpump-Radel-Rhythmus zum Mälaren-See zu fahren. Ein recht einsamer Steg, etwas Sonne, eine leichte Brise und etwas Fachliteratur schon war der Nachmittag um.
Hier einige Fotos, die ich machte.


Bei lauem Wetter am Abend traf ich mich mit einer Freundin im Pub der Västergöter-Nation. Jenna ist jene Läuferin, die ich irgendwann Anfang Februar mal mit Spikes und im recht hohen Tempo kennengelernt hatte. Und, wieder verblüfft sie mich. In einem Nebensatz erwähnt sie, dass sie am kommenden Wochenende ihren ersten Wettkampf hat: Mittsommermarathon in hohen Norden Norwegens.
"Ääh, gut" - meine erste Reaktion, direkt mal mit einem Marathon zu starten ist sicherlich nicht die gängige Art. Es kommt noch besser, sie peilt unter 4h an. Da ich weiß, dass sie schnell ist, habe ich ihr im gleichen Satz gesagt, "sei nicht enttäuscht, wenn Du es nicht so schnell schaffst, aber go for it!" Man soll ja schließlich Ziele haben, auch wenn es gegen alle Tipps für den ersten Marathon ist.

Zum Schluss noch einige Bilder, die ich machte, als meine Eltern vor einigen Wochen hier zu Besuch waren. Ich hatte sie auf meiner Kamera "vergessen".

Samstag, 23. Mai 2009

Roadtrip nach Uppsala

Yvonne, Tobi, Philipp und Stefan, gut 50 Liter Büchsenbier, ein Audi, einige Flaschen Schnaps und ganz wichtig, ein Reisetagebuch. All das kam am Mittwoch Nachmittag in Uppsala an. Die Reisegruppe "Uppsala" hatte sich am Sonntag von Nettelstädt aus auf die Reise gemacht. Ich musste bevor ich abends meine Schwedischklausur hatte noch fix zum Physiotherapeuten, da ich mal wieder Vollinvalide bin und noch auf eine Wunderrettung bis zum Marathon hoffe. Daher reichte die Zeit gerade noch für einen kurzen Bier- und Kaffeeempfang. Das nichtgebuchte Hostelzimmer lud scheinbar nicht sehr zum Verweilen ein. Denn als ich nach der Klausur abgekämpft die anderen traff, waren die schon munter die Kelle am spülen, was hier allerdings auch einer Grundreinigung des Portemonnaies gleichkommt.
Da ist es stilistisch auch vertretbar sich am Auto die Dose Schultenbräu zu genehmigen. In einem Irish Pub haben wir uns dann mit einigen Freunden von mir hier aus Uppsala getroffen. Für mich also ein super Abend, alte Freund aus der Heimat und neue Uppsala-Freunde versammelt an einem Tisch. Leider konnten wir nicht die Partys in den Nations ansteuern, da man hierfür Student sein muss. So sind Tobi, Philipp und ich dann in BJ, eine normale Disco gegangen und haben uns da etwas in den Pulk schwedischer Blondinen geschmissen. Tobi kam aus dem Staunen scheinbar gar nicht mehr heraus. Naja, teuer war's, aber: "was muss, das muss!"
Am Donnerstag sind wir nach Stockholm gedüst, in der Stadt waren alle Hostels belegt, und was blieb war coolerweise ein Hostel am Arlanda Airport. Eine ausgediente 747 wir da als Hostel betrieben und das hat doch auch mal was. In Stockholm sind wir etwas durch die Altstadt geschlockert und sind mit einen "riesigen" Hopp-on Hopp-off Boot rumgeschippert. Tobi und ich haben uns das Vasa-Museum angeguckt, während die anderen die Sonne genossen haben. Im Vasa Museum ist ein altes Kriegsschiff ausgestellt, welches in den 60er gehoben wurde nachdem es 333 Jahre im Schlamm des Stockholmer Hafenbeckens unentdeckt konserviert war. Gesunken ist dieses größte Schiff der schwedischen Marine schon bei der Jungfernfahr aus dem Hafen heraus - Konstruktionsfehler!
Noch etwas entspannen in einer schmucken open-air Lounge und eine Pizza mit Turbobedienung später war der Tag auch schon rum. Ich fuhr zurück nach Uppsala und mein Besuch war "ready for take-off" mit Dosenbier im Lonungedeck der Boing. Ich kann nur sagen: Schön, dass ihr hier ward!

Mittwoch, 22. April 2009

Wochenend-Cruise: Stockholm-Tallinn

Ohne vorher jemanden aus der "Reisegruppe Tallinn" gekannt zu haben, machte ich mich am Freitag Nachmittag zum Bahnhof in Uppsala auf. Die Tallinn-Fahrt organisiert vom International Committee, bedeutete eine Multi-Nationen-Tour (12 bei 20 Teilnehmern) und so war ich hoffnungsvoll, dass es spaßig wird, die anderen offen sind und es ein gutes Wochenende wird. Am Anleger der MS Romantiker war ich erstmal positiv überrascht. Ich hatte nicht ein so großes Schiff erwartet. Ich habe schon Schiffe gesehen und bin auch schon mal auf dem ein oder anderen Boot mitgefahren, aber eine Übernachtung an Bord, das war Premiere. Komfortabel gebettet in einer vier-Mann Kabine, die jedoch sauber und neu, wie das ganze Schiff war (Jg. 2002), verbrachten wir erstmal einige Zeit in der Sonne auf dem Oberdeck. Die Ausfahrt in Stockholm und das Passieren diverser Inseln ist ein Schmackerl für das Auge. Da alle unsere Kabinen benachbart waren, stellte sich, nachdem der (immer noch teure, da Marken) Alkohol gekauft war, schnell eine gemütlich, lustige Stimmung auf Deck 5 ein. Die Tonlage wurde schräger und schräger, die Lautstärke höher und höher und die Bewegungen des ein oder anderen "spontaner". Persönlich bin ich als von mir überrascht, dass ich doch recht viel vertrage. Eine 3/4 Flasche Malibu und ich war immer noch fit - und das, obwohl ich eher der Nicht-Trinker bin. Wie auch immer, irgendwann landeten wir alle auf der Tanzfläche der bordeigenen Minidisco.
Glücklicherweise hatte unsere Kabine kein Fenster und so dauerte auch erst etwas bis ich am Samstag Morgen das diesige Meereswetter bei rund 0°C erblickte. Netterweise beruhigte mich die Durchsage, dass es in Tallinn klar und kalt sein sollte, dann aber wieder. So war es auch und wir konnten Tallinn bei strahlend blauem Himmel erkunden. Zwei Mal stoppten wir in einem Cafe. Wir, das waren, neben mir, zwei kanadische (edit in honor of Holly ;-) )und ein australisches Mädel. Wobei eine der drei praktischerweise eine Freundin in Tallinn hatte und wir so eine exklusive Stadtführung bekamen. Die Stunden vergingen in der faszinierenden Altstadt schnell. Selten war ich von einer Stadt so begeistert. Die Altstadt ist ein wahres Schmuckkästchen und wirkt keineswegs wie die Innenstadt einer 400tsd. Einwohner-Stadt. Bevor wir am frühen Abend wieder an Bord gingen, deckten wir uns noch etwas mit Lebensmitteln ein. Gestärkt und etwas ausgeruht ging dann ein wahrer Tanzmarathon los. Erstmal offerierte das Bordprogramm einen Sambo-Kurzkurs - gemacht! Dann liesen wir uns von einer Liveband und einer Sambagruppe samt Tänzerinnen unterhalten. Letztere sollte die Passagiere in das Caribbean-Nights-Gefühl versetzen, unter dem die Cruise stand. Nachdem die Tanzfläche dort abgetanzt war, ging's weiter in die Disco und als ich mich dann so gegen 3Uhr nach 7Stunden feiern im Bett wiederfand, war ich ordentlich platt. Die Tallinnfahrt war definitiv ein Ereigniss. Kulturell, denn ich habe ein neue Stadt und ein neues Land bereist. Gesellschaftlich, da ich mit den drei Mädels sich noch die ein oder andere Party (Valborg, Gask, Club) besuchen werde und "schwedisch", da ich seit diesem Wochenende weiß, dass ein Tax-free Shop, der zu 70% alkoholische Getränke verkauft, für Schweden so etwas ist, wie für ein Kleinkind Weihnachten oder einen Läufer die neue Bestzeit!

Die einzige negative Erfahrung, die ich machen musste, war ein Hilter-Gruß, der mir von einem jungen Mann zu später Stunde entgegengeschmissen wurde. Naja, störte mich dann kurz, aber eigentlich auch nur, weil es doch schade ist, dass die Geschichte, welche nun nichts mit mir persönlich zu tun hat, scheinbar immer noch gerne zur Provokation aufgegriffen wird. Ich hab mich natürlich, friedlich wie ich bin, nicht provozieren lassen.
Zurück in Uppsala und mit einem guten Kaffee gestärkt genoss ich die Sonne bei einem Lauf noch etwas und hatte am späten Nachmittag noch ein Versprechen einzulösen. Die Mädels hatten mich überzeugt zum Body-Tone Kurs ins Fitnessstudio zu kommen. Auf meine Frage nach anderen männl. Teilnehmern gab's eine beruhigende "Ja, da sind immer andere Männer" Antwort - tja, Pustekuchen. Klaus zwischen 40 Frauen (das ist der gute Teil) und mit ordentlichen Problemen in der Coreografie (depremierende Teil). Aber ich hab 75min durchgehalten inkl. Muskelkater am Montag!

Dienstag, 31. März 2009

Land aus Eis und Schnee

Das war es wert! Definitiv! Letzten Donnerstag bin ich bei strahlend blauem Himmel zusammen mit Julia nach Kiruna aufgebochen. Kiruna ist die nördlichste Stadt Schwedens (150 km nördl. des Polarkreises) und wurde vor rund 100 Jahren gegründet, weil es dort große Erzvorkommen gibt. Die Stadt ist eher ein Städtchen, aber im Vergleich zu dem, was man dort oben Dorf nennt, ist Kiruna wiederum eine Metropole.
Zwei Berge in denen die Minen beginnen prägen das Stadtbild. Die Architektur ist unspektakulär und in Anbetracht der Tatsache, dass die gesamte Stadt in einigen Jahren einige Kilometer verschoben wird, wird da wohl auch nicht mehr viel investiert. Die Minenarbeiten gehen bis 1100 m Tiefe und da unter der Stadt selber auch eine Erzader war / ist, droht Kiruna nun in einem Loch zu verschwinden.
Nach einer guten Stunde Flug empfing uns Kiruna ebenfalls mit blauem Himmel und knackigen -7°C. Glücklicherweise hatten wir eine einsame Hütte 20 km außerhalb von Kiruna buchen können und so konnte uns unser Vermieter während der Fahrt zur Hütte schon mal über Grundlegendes informieren. Die Hütte lag zusammen mit 3-4 anderen Hütten an einem sehr, breiten Fluss im tiefsten Schnee. Kein Handynetz, kein fließend Wasser, kein Internet, kein Bus, kein Supermarkt! Lediglich eine nahezu autofreie, schnurrgerade Straße führte vorbei und führte rund 45 km weiter in die Berge und endet in einem kleinen Sami-Dorf, Sami sind die Ureinwohner des hohen Nordens.
Unter diesem Link habe ich mal den Ort unserer Hütte markiert.

Größere Kartenansicht
Nachdem wir dann unseren tollen Leihwagen, einen uralten, mini Nissan hatten, sind wir zum ICE-Hotel gefahren. Für schlappe 17 EUR konnte man sich das wohl kälteste Hotel der Welt angucken - und ich sage euch, mir war nach 1 Std. so kalt, nie im Leben wollte ich dort übernachten - Faszination hin oder her! Abends sind wir noch etwas über den Fluss gestiefelt auf der Suche nach Nordlichter, die wir am ersten Abend aber nicht sahen.

Am Freitag liehen wir uns Schneeschuhe und sind auf Elchsuche gefahren. Ab mit dem Nissan in die Berge oder besser bis zum Ende der Straße und auf dem Weg habe ich tatsächlich zwei Elche gesehen! Also Glück für mich, denn so häufig wie das Klischee es besagt, sind Elche in Schweden nicht (Edit: ich wurde von einer Finnin aufgeklärt - das waren wohl doch keine Elche :-( ). Rund 3 Stunden wanderten wir dann durch die Berge, für einen kompletten Aufstieg fehlte aber die Zeit - Lust hätte ich dazu schon gehabt, Julia reichte aber ein Bergkamm mit einer guten Aussicht. Hier einfach ein kurzes Video und Bilder, die wohl mehr sagen als Wort!


Nach einer lustigen und adrinalinreichen Rückfahrt mit Julia am Steuer - 1 Jahr Führerschein und nach der Prüfung nie wieder gefahren - stand abends eine Schnee-Bob-Tour an. Das sind die Dinger die aussehen wie Wasser-Jets und eine super Beschleunigung haben. Es war ein heiden Spaß und nach rund 1,5 Stunden wartete warmer Tee in einer kleinen Hütte mit offenem Feuer auf uns. Zusammen mit uns machten 3 Studentinnen unseres 17. Bundeslandes die Tour, erst als ich fuhr, dachte ich: "Mann, an dem Frauen-Fahren Klischee ist schon was dran." , die waren sooooo langsam. Diesen Gedanken verwarf ich allerdings direkt wieder als Julia fuhr und ich mich beinahe ängstlich als Sozius festhielt. Die 80 km/h erreicht man sicher so nach 6 sec. und da wurde mir schon anders, gerade weil ich wusste, wie Julia Auto fährt ;-)
An diesem Abend haben wir auch Nordlichter gesehen. Nicht so farbenfroh, wie in Werbeheftchen, aber ich kann sagen, ich habe Nordlichter gesehen. Am Samstag Abend war die Atmosphäre dann noch etwas gütiger zu uns.
Recht müde und in der angenehm Sauna bin ich dann doch glatt eingeschlafen. Das blöde daran war, was passiert wohl mit einer Holzhütte bei -20°C Außentemperatur, wenn das Feuer ausgeht. Richtig, ich bin in einer ars...-kalten Sauna aufgewacht!
Am frühen Samstag Morgen sind wir mit dem Zug nach Narvik in Norwegen gefahren. Die Fahrt dauert 3 Stunden und geht teils auf 550 m Höhe durch eine atemberaubende Landschaft. Erst die seichten Berge Schwedens mit gefrorenen Seen, dann die tiefen Fjorde in Norwegen - gigantisch!
In Narvik sind wir mit einer Godel einen Berg hinauf und von dort sah man das offene Meer und die schneebedeckten Berge, die in den Fjorden im Wasser enden.



Abends zurück in Kiruna versagte unser Nissan und während ein Taxifahrer und ich die Karre wieder ans Laufen zu bringen versuchten, genoss Julia im Bahnhofshotel einen Tee und ein Stück Kuchen. Einfach sympathisch, wir fragen lediglich, ob uns der Hotelbesitzer helfen könne. Da er kein Auto hat, rief er ein Taxi zur Hilfe, lies uns im Warmen warten und bewirtete Julia völlig kostenlos - so was nenne ich Gastfreundschaft, da könnte sich so mach ein Deutscher eine Scheibe von abschneiden.
Da Julia schon sonntags zurück flog, verbrachte ich die letzte Nacht in Kiruna. Die Jugendherbergen waren ausgebucht, und netterweise konnte ich für kleines Geld in einer Wohung bleiben, die der Tochter unserer Vermieterin gehörte. Am Sonntag war das Wetter leider nicht mehr so strahlend und nach einem Spaziergang durch Kiruna beschloss ich etwas zu laufen. Letztlich bin ich bis auf die alte Mine hinauf gelaufen und habe mich durch so mache Skiloipe gekämpft.

Alles in allem kann ich nur sagen, es waren aufregende, schöne, kalte und aktive Tage im hohen Norden - dort hin ziehen, werde ich aber sicher nicht. Denn lediglich beim Laufen hatte ich mal keine kalten Füße!

Die Tage werde ich noch mehr schöne Bilder hochladen, die von Julia, da Julia nicht vom Fotografieren abzubringen war sind das noch einige.