Dienstag, 31. März 2009

Land aus Eis und Schnee

Das war es wert! Definitiv! Letzten Donnerstag bin ich bei strahlend blauem Himmel zusammen mit Julia nach Kiruna aufgebochen. Kiruna ist die nördlichste Stadt Schwedens (150 km nördl. des Polarkreises) und wurde vor rund 100 Jahren gegründet, weil es dort große Erzvorkommen gibt. Die Stadt ist eher ein Städtchen, aber im Vergleich zu dem, was man dort oben Dorf nennt, ist Kiruna wiederum eine Metropole.
Zwei Berge in denen die Minen beginnen prägen das Stadtbild. Die Architektur ist unspektakulär und in Anbetracht der Tatsache, dass die gesamte Stadt in einigen Jahren einige Kilometer verschoben wird, wird da wohl auch nicht mehr viel investiert. Die Minenarbeiten gehen bis 1100 m Tiefe und da unter der Stadt selber auch eine Erzader war / ist, droht Kiruna nun in einem Loch zu verschwinden.
Nach einer guten Stunde Flug empfing uns Kiruna ebenfalls mit blauem Himmel und knackigen -7°C. Glücklicherweise hatten wir eine einsame Hütte 20 km außerhalb von Kiruna buchen können und so konnte uns unser Vermieter während der Fahrt zur Hütte schon mal über Grundlegendes informieren. Die Hütte lag zusammen mit 3-4 anderen Hütten an einem sehr, breiten Fluss im tiefsten Schnee. Kein Handynetz, kein fließend Wasser, kein Internet, kein Bus, kein Supermarkt! Lediglich eine nahezu autofreie, schnurrgerade Straße führte vorbei und führte rund 45 km weiter in die Berge und endet in einem kleinen Sami-Dorf, Sami sind die Ureinwohner des hohen Nordens.
Unter diesem Link habe ich mal den Ort unserer Hütte markiert.

Größere Kartenansicht
Nachdem wir dann unseren tollen Leihwagen, einen uralten, mini Nissan hatten, sind wir zum ICE-Hotel gefahren. Für schlappe 17 EUR konnte man sich das wohl kälteste Hotel der Welt angucken - und ich sage euch, mir war nach 1 Std. so kalt, nie im Leben wollte ich dort übernachten - Faszination hin oder her! Abends sind wir noch etwas über den Fluss gestiefelt auf der Suche nach Nordlichter, die wir am ersten Abend aber nicht sahen.

Am Freitag liehen wir uns Schneeschuhe und sind auf Elchsuche gefahren. Ab mit dem Nissan in die Berge oder besser bis zum Ende der Straße und auf dem Weg habe ich tatsächlich zwei Elche gesehen! Also Glück für mich, denn so häufig wie das Klischee es besagt, sind Elche in Schweden nicht (Edit: ich wurde von einer Finnin aufgeklärt - das waren wohl doch keine Elche :-( ). Rund 3 Stunden wanderten wir dann durch die Berge, für einen kompletten Aufstieg fehlte aber die Zeit - Lust hätte ich dazu schon gehabt, Julia reichte aber ein Bergkamm mit einer guten Aussicht. Hier einfach ein kurzes Video und Bilder, die wohl mehr sagen als Wort!


Nach einer lustigen und adrinalinreichen Rückfahrt mit Julia am Steuer - 1 Jahr Führerschein und nach der Prüfung nie wieder gefahren - stand abends eine Schnee-Bob-Tour an. Das sind die Dinger die aussehen wie Wasser-Jets und eine super Beschleunigung haben. Es war ein heiden Spaß und nach rund 1,5 Stunden wartete warmer Tee in einer kleinen Hütte mit offenem Feuer auf uns. Zusammen mit uns machten 3 Studentinnen unseres 17. Bundeslandes die Tour, erst als ich fuhr, dachte ich: "Mann, an dem Frauen-Fahren Klischee ist schon was dran." , die waren sooooo langsam. Diesen Gedanken verwarf ich allerdings direkt wieder als Julia fuhr und ich mich beinahe ängstlich als Sozius festhielt. Die 80 km/h erreicht man sicher so nach 6 sec. und da wurde mir schon anders, gerade weil ich wusste, wie Julia Auto fährt ;-)
An diesem Abend haben wir auch Nordlichter gesehen. Nicht so farbenfroh, wie in Werbeheftchen, aber ich kann sagen, ich habe Nordlichter gesehen. Am Samstag Abend war die Atmosphäre dann noch etwas gütiger zu uns.
Recht müde und in der angenehm Sauna bin ich dann doch glatt eingeschlafen. Das blöde daran war, was passiert wohl mit einer Holzhütte bei -20°C Außentemperatur, wenn das Feuer ausgeht. Richtig, ich bin in einer ars...-kalten Sauna aufgewacht!
Am frühen Samstag Morgen sind wir mit dem Zug nach Narvik in Norwegen gefahren. Die Fahrt dauert 3 Stunden und geht teils auf 550 m Höhe durch eine atemberaubende Landschaft. Erst die seichten Berge Schwedens mit gefrorenen Seen, dann die tiefen Fjorde in Norwegen - gigantisch!
In Narvik sind wir mit einer Godel einen Berg hinauf und von dort sah man das offene Meer und die schneebedeckten Berge, die in den Fjorden im Wasser enden.



Abends zurück in Kiruna versagte unser Nissan und während ein Taxifahrer und ich die Karre wieder ans Laufen zu bringen versuchten, genoss Julia im Bahnhofshotel einen Tee und ein Stück Kuchen. Einfach sympathisch, wir fragen lediglich, ob uns der Hotelbesitzer helfen könne. Da er kein Auto hat, rief er ein Taxi zur Hilfe, lies uns im Warmen warten und bewirtete Julia völlig kostenlos - so was nenne ich Gastfreundschaft, da könnte sich so mach ein Deutscher eine Scheibe von abschneiden.
Da Julia schon sonntags zurück flog, verbrachte ich die letzte Nacht in Kiruna. Die Jugendherbergen waren ausgebucht, und netterweise konnte ich für kleines Geld in einer Wohung bleiben, die der Tochter unserer Vermieterin gehörte. Am Sonntag war das Wetter leider nicht mehr so strahlend und nach einem Spaziergang durch Kiruna beschloss ich etwas zu laufen. Letztlich bin ich bis auf die alte Mine hinauf gelaufen und habe mich durch so mache Skiloipe gekämpft.

Alles in allem kann ich nur sagen, es waren aufregende, schöne, kalte und aktive Tage im hohen Norden - dort hin ziehen, werde ich aber sicher nicht. Denn lediglich beim Laufen hatte ich mal keine kalten Füße!

Die Tage werde ich noch mehr schöne Bilder hochladen, die von Julia, da Julia nicht vom Fotografieren abzubringen war sind das noch einige.

Sonntag, 22. März 2009

Auf und Ab

Die vergangene Woche war echt ein Hin und Her. Letzten Freitag war ich erst bei einer Bekannten aus Amerika eingeladen. Sie macht House-keeping hier und wohnt also nicht in einem üblichen Korridor. Echt nett, so nach gut zwei Monaten mal wieder in einem "normalen" Haus mit schicker Küche und Wohnzimmer etwas zu feiern. Nachher ging's zur Värmalands Nation. Die Party dort ist als "Meat-Party" berühmt-berüchtigt, irgendwie kann ich den Namen nun auch verstehen. Egal - die Musik war tanzbar und die Whisky-Gläschen zuvor machten alles gut ertragbar. Gegen Mitternacht ist es mir dann etwas komisch geworden, obwohl ich mittlerweile wieder vollkommen nüchtern war. So radelte ich erstmal heim. Hier angekommen überfiehl mich der Schüttelfrost und ich bin nur noch ins Bett gefallen. Samstag ging dann gar nichts. Keine Ahnung was los war, aber ich war bei der kleinsten Bewegung KO und pendelte eigentlich nur zwischen Küche und meinem Zimmer. Fieber war es nicht und voller Hoffnung auf schnelle Genesung legte ich mich früh schlafen. Geschlagenen 14 Stunden Schlaf und ich war wieder fit. Der Sonntagslauf mit Sonne und 21 km klappte als sei nix gewesen. Mitte der Woche ging das Drama in die zweite Runde. Ich merkte das mein Weisheitszahn nicht so wirklich mehr bei mir bleiben will. Der Zahnarzt wollte mir den aber nicht im entzündeten Zustand ziehen und so ging Mittwoch auch erstmal wieder recht wenig. Das Antibiotikum hilf und nun ist alles wieder im Lot. Ziehen werde ich mir den Zahn aber erst nach meinem Trip nach Kiruna kommendes Wochenende.

Abends standen letzte Woche so einige Aktivitäten auf dem Plan. Am Dienstag war ich nach der Language-Night, welche jedoch letztlich auch English-Night hätte heißen können. Anschließend zum ersten Mal Snerikes-Klub und das war auch ohne Alkohol sehr spaßig, denn es war St:Patrick's-Day; und jetzt bitte nicht die Frage, warum man in Schweden einen irischen Nationalfeiertag feiern muss. Freitag erst Geburtstagsfeier einer Bekannten und dann gemeinsam zur Värmlands - und schon stellte ich fest, was alle ankündigten: die Playlist ist scheinbar Woche für Woche die Gleiche..... naja, macht nix, meist ist die Musik echt ok. Gestern bin ich nachmittags etwas durch Uppsala geradelt und hab die Sonnenstrahlen genossen. Hier tanzte der (Sport-) Bär - Bandy Halbfinale! Was ist Bandy?! Bandy ist eine Art Eishockey auf kleinerem Feld, mit einem Ball und wie ich es verstanden habe, etwas "fairer".
Wie auch immer, in den nordischen Länder ist das Nationalsport und Schweden vielleicht sogar Weltmeister. Der Größe des Events zufolge ist es klar mit Fußball im Ruhrpott vergleichbar.
Den Abend lies ich bei einer Korridorparty ausklingen und beendete somit heute meine 9. Woche im wunderbaren Schweden!

Mittwoch, 11. März 2009

Ist bei euch Frühling?!

Gestern morgen offenbarte der morgentliche Blick aus dem Fenstern die Rückkehr des Winters. Beinahe hätte ich Uppsala das erste Mal schneefrei gesehen, doch nun liegt mehr Schnee denn je und es hat nicht wirklich aufgehört zu schneien. Gestern Abend schlug ich mich mit Spikes in den Wald, was ein Spaß so richtig kreuz und quer. Durch das Vorfusslaufen (bei Spikes irgendwie automatisch) merke ich heute meine Waden. Aber um die Eindrücke vom Schneecross festzuhalten geht's wieder quer durch die Wälder. Erst etwas offene Strecke, dann kleine Pfade im Wald, zwischendurch mal gänzlich ohne irgendeinen Weg, die Füße sacken teils fast Knietief in den Schnee ein. Hin und wieder treffe ich auf eine Hütte im Wald, sehe einige Langlaufspuren im Schnee, zum Ende hin nocheinmal etwas übers freie Feld. Insgesamt begegnen mir während der 17.5 km vier Menschen und drei Hunde (ohne die paar Meter nahe Flogsta).

Jetzt geht's weiter zum Schwedischkurs, ich will ja wenigstens irgendwann mal in der Bar auf Schwedisch bestellen können...!

Samstag, 7. März 2009

Bore-Cup

Da kann ich mich endlich mal glücklich schätzen Physik zu studieren, denn wäre ich der super Ökolebensweise verfallen, hätte ich die rund 70 km nach Östhammer heute nicht auf mich genommen. Der Grund: Forsmark! Richtig, das Kernkraftwerk welches in den vergangenen Jahren hin und wieder heruntergefahren werden musste. Zum einen ist mein Vertrauen in die schwedische Ingenieurskunst (wahrscheinlich auch mit dt. Beteiligung) ausreichend, zum anderen sind 70 km im Falle eines GAUs ehe so gut wie nix. Als Sponsor auf der Startnummer ist es allemale "energiespendend" ;-)
Heute hatte ich dann gleich nochmal Glück, dass ich von Ran, meiner chinesischen Nachbarin, begleitet wurde. Sie sagte, sie sei ein "lucky star" und wahrscheinlich nur deswegen stoppte der Busfahrer nocheinmal extra, um auch uns mitzunehmen. Nach über einer Stunde Busfahrt durchs nirgendwo, das gelegentlich durch kleine Dörfer unterbrochen wurde, erreichten wir Östhammer. Östhammer ist keine Metropole, nicht einmal eine Stadt, Städtchen ist sicherlich zutreffend. Der Himmel ist grau, der Schnee bleibt bei um 0°C gerade so liegen und die Örtlichkeiten im Allgemeinen erinnern wirklich an einen Volkslauf. Das ist es dann auch, noch sind die Ergebnisse nicht online, daher weiß ich nicht, wieviele Läufer es letztlich waren, vielleicht gut 100?! Einige hatten den Vorteil nach 7,15 km auszusteigen, das war die kürzere Distanz, die meisten liefen den Kurs zweimal (also 14.3km). Nach einem Kaffee, bin ich positiv von den Umkleidekabinen überrascht, dann geht's auch schon zum Warmlaufen. Ran findet alles eher belustigend, sie hat noch nie so etwas wie einen Volkslauf gesehen und wundert sich über Nervösität, manchen älteren Läufer und warum man das überhaupt macht. Tja, warum..... das kann ich ihr nicht stichhaltig erklären, und begebe mich mit den Worten: " in knapp 1Std. bin ich gesprächiger" zur Startlinie. Ein Schuss und...... welch Wunder, die Schweden sind noch schlechtere Starter als ich. Die ersten 200m bin ich Erster!
Das ändert sich natürlich und nach rund 1km finde ich mich an 8. Position wieder. Die Strecke geht teils über Radwege, teils direkt über die Straße, soviel Verkehr ist hier ehe nicht. Meist liegt kein Schnee mehr auf der Strecke, nur der Kies (gegen die Eisglätte) nimmt etwas Kraft. Total flach ist der Kurs nicht, wellig ist vielleicht die beste Betitelung, ich merke schon jeden Anstieg und das die Beine beim Bergablauf leichter rollen. Nach der ersten Runde, das gleiche Bild, meine Gedult zahlt sich aus. Ich kann (ich glaube) zwei Läufer überholen und die letzten 2 km nochmal etwas beschleunigen. Nach 52:24 min überquere ich die Ziellinie; macht im Schnitt 3:40min/km. Damit bin ich zufrieden, und merke das noch was machbar ist, bis zum Stockholm Marathon.
Dusche, Kaffee, Busfahrt und mit dem Rad zurück nach Hause, das war's! Ein guter Samstag, Ran gefiel es auch, und gleich kann ich meine verbleibende Energie bei einer Korridorparty auslassen. Dank Alkoholversorgung (danke an meine werten Eltern!) könnte ich mich vielleicht auch abschießen - mal sehen!

Sonntag, 1. März 2009

vecka 5

Bei blauem Himmel, Sonnenschein und Windstille raus, der Sonntagslauf steht an, das Thermometer sagt +5°C, ok, das ist voll in der Morgensonne, aber dass es tatsächlich -6°C sind, merke ich erst draußen. Aber wärmere Sachen überziehen will ich nun auch nicht mehr. Ich laufe los Richtung Stadtwald, durchquere die ein oder andere kleine Wohngegend, Uppsala liegt hinter mir und ich bin in der weiten Natur. Die Sonne blendet leicht, als ich Richtung Ost zum Frysån (Fluss) laufe. Der Boden ist fest vereist, teils rutschig, meist aber ok. Auf dem Rückweg geht es einige Kilometer einen kleinen Fussweg direkt am Fluss entlang. Das Wasser glitzert fast so intensiv wie der Schnee. Eine dünne Eisschicht liegt über den Bäumen, eine Hand voll Leute kommt mir entgegen - ansonsten nichts, Stille.
So begann mein heutiger Sonntag. Einmalig, ich sage es euch, ein Genuss für all diejenigen, die Natur und Winteridylle mögen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei. Nachmittags in Uppsala machte ich jedoch einige Bilder, denn das Wetter überzeugte mich, etwas Sightseeing zu machen.

Das weitere Highlight dieser Woche war die international Gasque für die Austauschstudenten am Freitag. Eine Gasque ist ein traditionelles Dinner; Dresscode ist ein Muss. Nach einem Sektempfang findet man seinen Platz, ein Käsekuchen zur Eröffnung und einer zum Dessert. Als Hauptspeise gibt's Rehfleisch, Kartoffelscheibchen und Alibi-Gemüse leider lauwarm (Vegetarier, wie ich, bekommen was anderes. Ich weiß aber nicht was es war). Naja, das Essen ist, obwohl es ein Dinner ist, nicht die Hauptsache, denn eigentlich wird alle 5min ein Lied gesungen, nach einer bestimmten Regel geprostet und ein Programm aus Chor, Geigergruppe und Reden bilden den Rahmen. Alles ist eher belustigend und nicht ernsthaft, es geht ums Amüsante. Die Sitzordnung ist so, dass zur linken und gegenüber jeweils eine Frau sitzt. Rechter Hand sitzt "meine" Frau, denn der rechte Sitznachbar ist der Gasque-Partner. Glücklich wie ich bin, existierte meine nicht. Was daran lag, dass man ihr zwei Sitzplätze zugewiesen hatte und aufteilen geht schlecht. So übernahmen kurzerhand andere Damen des Tisches Veronikas Rolle und wechselten sich ab. Die Gespräche mit den anderen Studenten waren unterhaltsam, wir lachten viel und ich lernte (wieder mal) Neues über freme Länder. Später am Abend wurde der Saal für die After-Party geräumt, so konnte man die Kalorien des Käsekuchens wieder abtanzen. Mir hat die Gasque gut gefallen und ich bin sicher ich werde bald wieder zu einer weiteren gehen. Zum einen ist es schwedische Kultur, zum anderen eine sehr gute Weise neue Leute kennen zu lernen und etwas über andere Fächer, Länder, Sitten.... zu erfahren.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Sau(na) angenehm!

Die Zahl meiner bisherigen Saunabesuche kann ich wahr-
scheinlich an beiden Händen abzählen. Weder habe ich eine Sauna in Deutschland direkt auf dem Hausdach, noch läd das Wetter so sehr zum Saunieren ein wie hier. Bei Schneefall und kaltem Wind lernte ich am Sonntag jedoch schnell die Vorteile einer Dachsauna zu schätzen. Man stelle sich keine edle Wellness-Oase vor, aber eine gut geheizte, recht geräumige Sauna, die frei nutzbar ist. Mehr bedarf es auch nicht, um etwas vom Laufen zu erholen. Ich schaffte es zudem in der Sauna endlich das Buch "Gebrauchsanweisung für Schweden" durchzulesen, dabei sei erwähnt, dass ich ein gänzlicher Lesemuffel bin, dieses Buch mir aber schon einige Male die Augen öffnete oder meine Neugier für bestimmte Dinge weckte. Beispielsweise steigerte der Reisebericht der Autorin von ihrer Tour nach Kiruna meine Vorfreude auf meinen Trip dorthin.
Vergangenen Freitag hatten wir einige Freunde in den Korridor eingeladen, um etwas zu feiern. Auch wenn es eher ein gemütlicher Sit-in war (harter Alkohol hätte sicher die Partylaune etwas gehoben), bot sich der Abend an, wieder mal einige Leute kennenzulernen und das Korridorleben zu füllen.

Ob der Grund für mein (leider) meist sehr frühes Aufwachen in den einzeln-spürbaren Federkernen meiner Matratze oder an der Raumhelligkeit eines Zimmers mit Ostblick zu finden ist, weiß ich nicht, aber es verleitet mich an einigen Tagen zum Nachmittagsschläfchen. Neben Fotos vom Sonnenaufgang kann es mir so auch mal passieren, den Schwedischkurs um 16:oo locker zu verschlafen, wobei mich Johanna (die Lehrerin) bei dieser Entschuldigung recht verduzt anguckte - Studenten halt?!
Problematisch ist jedoch vielmehr, dass ich abends wegen netter Gespräche in der Küche selten so früh schlafen gehe, wie vorgenommen. Fehlt am Folgetag die Ruhe für ein Schlümmerchen, bieten sich die bequemen Sessel in der Bibliothek geradezu an, das Vermisste nachzuholen.
Dem regelmäßigen Leser sollte bekannt sein, dass Gabriele begeisterter Musiker ist und er lies es sich gestern nicht nehmen, einige Songs mit der Akustikgitarre in der Kalmar-Nation zu spielen. Leider mussten wir uns, wegen der vielen Studenten dort, mit dem Rang "Eingangsbereich" begnügen und anschließend den Pub wechseln.

Freitag, 20. Februar 2009

Nicht Gammeln - Gamla


Da mich direkt vor meiner Zimmertür unsere Korridorparty erwartet, heute nur ein kurzer Laufbericht.
Unausgeschlafen, weil ich gestern etwas im Klub der Stockholms Nation war (sehr schön dort), quälte ich mich dennoch pünktlich zur Übungsstunde ans Ångstrom.
Nach zwei Kaffee und eine produktiven Doppelstunde mit Übungen lockte ein strahlend blauer Himmel über Uppsala. In der Früh (7:20am) zeigte das Quecksilber ganze -11°C an, so hatte ich mir eine etwas wärme Tights und ein Oberteil mehr eingesteckt. Praktischerweise kann ich die Laufrunden direkt nahe der Uni im Fitnessstudio starten. Ich lief einige Kilometer am Kanal gen Norden. In einem Bericht über Uppsala hatte ich etwas über Gamla Uppsala (Alt-Uppsala) gelesen und dass es dort eine Kirche aus dem 11Jdh. samt Friedhof und alte aufgeschüttete Erdhügel gibt. Dies scheint eine Touristenattraktion zu sein, so mache ich mich als "laufender Touri" auf.

Passend nach 10km war ich dort, knippste einige Fotos und machte mich auf den Weg zurück. Als ich kurz nach Mittag unter Dusche stand, war mein Tag schon gerettet. Diesen Lauf mit vielen schönen Impressionen von Uppsala werde ich sicher nicht so schnell vergessen. Meine Motivation stimmt im Moment, das hilf viel, die guten Möglichkeiten hier auch zu nutzen. Die Runde heute war laut meiner Uhr 21.4km; mit einem Schnitt von 4:37 min/km. Also kein Grund zu klagen.

Montag, 16. Februar 2009

Kennen das nur....

.... die Deutschen? Diese Frage gebe ich mal weiter. Was genau ich damit meine, seht ihr am Schluss.
Meine letzten Tage waren nicht besonders spannend. Nach meinem Geburtstag hatte ich am Donnerstag frei - oder besser, mein Unterbewusstsein gab mir einen unifreien Tag. Denn ich vergaß den Wecker zu stellen und so ist aus der 8Uhr Vorlesung ein ruhiges Frühstück geworden; danke Unterbewusstsein!
Gelernt habe ich am Donnerstag aber NATÜRLICH trotzdem was.... auch wenn's nicht nur für die Uni war. So weiß ich jetzt, dass frische Petersilie gut gegossen sein will, dass Rillen im Eis auf dem Fahrradweg einen ganzschön schnell wieder auf den Boden der Tatsachen bringen können, dass Fredrik Reinfeld nicht etwa ein deutscher Schauspieler, sondern schwedischer Premierminister ist und dass ich mindestens 15EUR spare, wenn ich mich von Ran, meiner chinesischen Nachbarin, die Haare schneiden lasse. Auch wenn letzteres sicher einen gewissen Risikofaktor in sich birgt.
Am Freitag erkannte ich wieder deutlich den Unterschied zwischen Sport und Sport. Für den einen mögen 100kg Langhantel lächerlich sein, ich hatte von 38kg noch bis Sonntag Muskelkater. Dafür schubbern meine Oberschenkel beim Gehen nicht aneinander und ich kann frontal durch die Tür gehen. Hat auch was!
Als etwas sehr angenehmes in Schweden empfinde ich immer wieder die Rücksicht aufeinander. Gerade im Verkehr, hier halten Autofahrer und lassen die rotnäsigen Radler passieren und sogar Läufer genießen Respekt. Den haben gar die Hunde. Während einen hinter der Uni im tiefen Bochumer-Dschungel, jede Minute ein wilder Rauerdackel anfallen könnte, blieben bisher alle Hunde, die mir begegneten, vollkommen unbeeindruckt. Es drängt sich mir natürlich dei Frage auf, ob die Hundegene hier anders sind (was ich bei einem deutschen Schäferhund in Uppsala bezweifle)? Vielleicht denkt der deutsche Hundebesitzer aber auch nur, dass mit der Hundesteuer auch ein Stück Stadtwald sein eigen ist.
Eine große Entdeckung dieser Woche war der Willy:s. Hier gibt es zwar ordentliche Riesenpackungen, die für meinen Einpersonenkonsum etwas happig sind, aber mein Preisindikator Schlangengurke ist mit 39,90SEK/kg rund 10SEK unter dem üblichen Preis.
Nun noch einige letzte Bilder meiner Kamera, welche vermutlich heute ihren technischen Tod gestorben ist. Bisher sind alle Wiederbelebungsversuche gescheitert.
Und um auf den Titel zurückzukommen. Betrachtet man die Diashow hier,

erkennt man schnell ein Foto, welches sicher nicht aus Uppsala ist.
Auf diesem Foto deutete eine Freundin (keine Deutsche) die Strandkörbe als Friedhof. Nach etwas Lachen frage ich mich dann, gibt's die nur an der deutschen Küste? Und wer, ausser die Holländer bitteschön, hätte es nötig, eine Friedhof so nah am Wasser zu bauen?!

Mittwoch, 11. Februar 2009

födelsedag

Zunächst einmal Dank an all die, die mir ihr Glückwünsche zum Geburtstag gesendet haben. Es hat mich sehr gefreut, dass auch im fernen Deutschland viele liebe Menschen an mich gedacht haben. Hier fiel der Tag natürlich im etwas kleineren Rahmen aus - aber was ist schon der 24.?! Nachdem letzte Woche der ein oder andere hier mitbekam, dass ich bald wieder ein Jahr älter werde, wollte ich das Ganze auch etwas zelebrieren. Zusammen hier bei mir zu kochen, war Marcos Idee, eine Gute und Leckere, wie ich nun sagen muss.
Angefangen hatte mein Tag ruhig, morgens bin ich - ohne jemanden anderes gesehen zu haben - erstmal eine Runde durch den frischen Schnee gelaufen. Nachdem ich die ersten lieben Grüße per E-Mail und Telefon bekommen hatte und Gabriele zum Geburtstags-Ständchen mit seiner Gitarre auflief, bin ich für einige Weile zum Lernen zum Angstrom gefahren. Nachmittags stand die erste Schwedischstunde auf dem Plan. Ich muss sagen, die Sprache scheint mir Spaß zu machen. Zum einen ist es für Deutsche recht einfach, zum anderen ist die Lehrerin super.
Abends haben Julia, Gabriele, Ran und ich dann in der Küche die Schürzen angelegt. Das Resultat war wirklich gut!

Nach etwas Schnack, etwas Musik und netterweise einer gemeinschaftlichen Spülsession, waren dann auch jene 24 Stunden meines Geburtstag vorbei. Was bleibt ist ein Jahr mehr auf dem Buckel und schöne Erinnerungen an diesen Tag!

Sonntag, 8. Februar 2009

Mitternacht - Schneeballschlacht!

Die Woche startete wieder einmal mit dem Versuch einen Klub zu besuchen - denn das fehlte mir noch immer. Die im Kalender angekündigte Glasnost-Night gab's nicht, dafür aber ein Ping-Pong-Turnier im Pub der Kalmar-Nation. Wir kamen gerade noch rechtzeitig zur Anmeldung. Die Miniplatten verbesserten meine ohnehin dürftigen Tischtennisfähigkeiten nicht wirklich,
aber immerhin habe ich es bis in Halbfinale geschafft.
Wichtiger als das ist jedoch mein Sieg gegen Italien (besser gegen Gabriele), als Revanche für ein gewisses WM-Halbfinale, wobei ich erwähnen sollte, dass ich insgesamt mit drei Italienern dort war. Zudem hatten wir zuvor eine Wette um eine Woche Küchendienst abgeschlossen. Also 2:0 für mich!
Dank der geringen Zahl an schwedisch sprechenden Menschen hält es Hollywood nicht für nötig Filme zu synchronisieren. Gut für mich, so war ich am Mittwoch hier in Uppsala im Filmstaden. Der Film war sehr gut, der Kinosaal hätte aber auch eine etwas größere Studentenbude mit einem riesen Flachbildschirm sein können. Nun für gut 10EUR konnte ich auch nicht zu viel erwarten ;-)
Ich bin der Norrlands-Nation beigetreten und daher bin ich am Freitag dort zur Club-Night gegangen. Leider passte mir die Musik nicht so, dennoch hatte ich einen unterhaltsamen Abend und den ersten Kontakt zu volltrunkenen Schweden, die jedoch mehr an meiner Begleitung als an mir interessiert schienen. Auf dem Weg zurück nach Flogsta haben wir Halt oben am Schloss gemacht. Neben einigen Fotoposen konnten wir uns an dem frischen Schnee und einer kleinen Schneeballschlacht "über" den Straßen von Uppsala erfreuen. Mein "Engel" im Schnee löste schiere Begeisterung aus, da die anderen das nicht kannten - wunderte mich etwas, wohl jedes dreijährige Kind in Deutschland hat so was trotz Klimawandel schon gemacht.

Seit gestern ist das Wetter aber eher so eine Schnee-Regen Mischung und wenig einladen. Eigentlich hatte ich einen 10km-Lauf nahe Uppsala ins Auge gefasst, diesen Gedanken dann aber beim Anblick des Schneesturms draussen am Samstag Morgen wieder fallen gelassen. Ohne Spikes wäre ich wahrscheinlich noch nicht einmal mit der Zeit zufrieden gewesen. Dafür bin ich abends etwas aufs' Laufband gestiegen, wobei ich das wieder als eher Langweilig empfand - geht halt nix über Outdoor-Sport. Euch einen guten Start in die Woche!

Sonntag, 1. Februar 2009

Entrümpeln sozialisiert

Das Wochenende ist bald vorüber, auch wenn zwischen dem Wochenende und Werktags für mich kaum ein Unterschied ist, die Supermärkte haben auch am So geöffnet. Die Woche über sind die Temperaturen wieder richtig knackig nordisch geworden, was ich deutlich dem Nass-Kalt vorziehe. Bei schmucken -7°C lies es sich heute dann auch sicher Schlittschuhfahren. Das letzte Mal, dass ich auf diesen Dingern stand, war beim Kindergeburtstag in einer Eishalle am Möhnesee, das raue Natureis auf den schwedischen Seen ist schon fordernder. Jede ungesehene Rille hätte mich wohl einige blaue Flecken gekostet, aber alles ging glatt und so schwer war es letztlich nicht - lediglich ein wirklicher Spaß. Zusammen mit Marco habe ich eine Runde über den rund 8km langen See gedreht und die schwedische Ruhe und Idylle genossen.
Ein besonderes Lachen ging mir am Freitag übers Gesicht, ein 40t (!!!) LKW von Schenker brachte mir ein 1kg schweres Päckchen. Etwas übertrieben, wie ich fande, ein Postauto wäre sicher ausreichend gewesen. Was mich aber noch viel mehr freute, war die Tatsache, dass darin mein Vor-Geurtstagsgeschenk an mich selber war. Nun hab ich auch eine GPS-Uhr und es ist ein tolles Spielzeug.
Prompt konnte ich nach dem Lauf gestern sehen, wo ich mich mal wieder komplett verlaufen hatte. Das ist echt schrecklich hier..... Uppsala ist sehr zerflückt und hat viele Wohnsiedlungen mit Straßen die im Kreis verlaufen. Ich seh's sportlich: ein gutes, erweitertes Training. Und wenn's dann mal bis zum Sonnenuntergang dauert, sind netterweise selbst Waldwege gut ausgeleuchtet.

Zu Titel kann ich nur sagen, dass es 1,5 Stunden und 9 Leute brauchte, bis wir heute eine Art "Grundreinheit" (ohne Wischen, Saugen, Abstauben) im Korridor erreicht hatten. Schön daran ist sicherlich aber der soziale Faktor. Mal fast alle Nachbarn zusammen zu sehen und die Unterhaltung mit einigen über "Hej" hinaus zu führen, ist gut.
Da ich bisher es noch nicht geschafft habe, mal in einen der Klubs zu gehen, welche die Nations benahe täglich öffnen und mich daher stets an Pubs gehalten habe, versuche ich das diese Woche zu ändern. Das Ungewöhnliche an der Feierei in Uppsala ist nicht die Sache an sich (Bier ist Bier und Whisky bleibt Whisky ;-) ), nein, die Menschen gehen hier um 19 Uhr partyfertig auf die Straße. So früh ist dann doch komisch. Bei meinen Versuchen mich dann aber gegen 21 Uhr in einem Klub wieder zu finden, scheiterte ich bisher immer. Eine gute Stunde Anstehen kommt bei der Kälte nicht gut und das ist bei den meisten Klubs die Regel. Also frei nach dem Motto: der frühe Vogel fängt den Wurm!
In diesem Sinne.

Dienstag, 27. Januar 2009

Sporcht & Scream

Um endlich einen Hauch dicker Muskelarme und eines ordentlichen Sixpacks zu bekommen (das sage ich mit einer gewissen Selbstironie), haben Marco und ich uns der Aufgabe Fitnessstudio gestellt. Das Stallet liegt keine 300m vom Angstrom entfernt und so lässt sich in einer Pause sicher mal die ein oder andere Hantelrunde einschieben. Sonntag pumpten wir freudig eine gute Stunde lang und gestern dachte ich, mir fallen die Arme ab. Dass sie noch dran waren, spürte ich jedoch gleich bei der nächsten Bewegung. Eindrucksvoll bleibt mir vom Sonntag eine flüchtige Laufbekannschaft in Erinnerung. Da ging ich schon fast zum Auslaufen über, als das blonde Haar einer Läuferin zügig meinen Weg kreuzte. Mmh, gut schnell war mein erster Gedanke und das auf dem Eis, nun da entschloss ich mich meine Runde etwas zu erweitern und dreht rechts ab, um ihr zu folgen. Einfach war das nicht, ich rutschte hin und her und die Dame lief gut flux dahin. Ein geschätzer 4:25 Schritt brauchte etwas und als ich näher kam sah ich ihren Vorteil -> Spikes! Ich sprach sie an, wie es sich damit laufe und wie der Hersteller heißt. Sie ist Amerikanerin und die Spikes leider auch. Naja, nichts desto trotz liefen wir dann eine Runde zusammen durch den Stadtwald und das Tempo blieb hoch. Beeindruckte mich echt diese Runde.
Bisher habe ich mich erst einmal lang gemacht, dass ist wirklich ein guter Schnitt, wenn ich mich so umhöre. Beim Radeln schwitze ich meist mehr als beim richtigen Sport, der Herzschlag geht bei jedem unkontrollierten Wegrutschen meines Hinterrads hoch, also sehr oft. Zum Glück ist es wieder etwas kälter geworden und von oben trockener. So kam ich trockenen Fußes heute in der Bibliothek an, nach einiger Arbeit dort, hatte ich Plasmaphysik. Morgen werde ich den Prof. fragen, ob er Theoretiker ist. Er ist so krass schnell und mathematisch. Es ist ja nun nicht so, als sei ich im ersten Semester und leide noch an dem allgemeinen Schock über das Tempo von Vorlesungen. Aber ich kenne so pauschal nur einen, der ebenso schnell ist - Herr Wiebe (für alle Unikenner).
Zum Abschalten ging's heute wieder in die Kraftbude. Und danach hatte ich ein "Vorstellungs"-laufen beim Uppsala IF. Ein Sportverein, der sowohl Eishockey, Fußball als auch Leichtathletik bietet. Zum Einstand durfte ich mich draußen umziehen, weil zufällig heute der Kabinenschlüssel 70km entfernt beim Co-Trainer lagerte, der das Training vergessen hatte. Das war sooooo kalt ;-)!
Nun, Uppsala hat ein Schloss, ein pinkes (!!!) Schloss. Das Schloss liegt auf einem Hügel und dahin führt ein Weg rund 200m ordentlich bergan. Voll anstrengend 10 Mal dahoch sprinten, Bergläufe sind ehe nicht so mein Ding, aber ich bilde mir ein, sie werden sicher ein gutes Training sein.
Um zum Schluss dieses Posts nun etwas Skurriles des Alltags in Flogsta zu berichten, sage ich nur 10 Uhr am Abend aus meinem Zimmerfenster - Scream!

Sonntag, 25. Januar 2009

Durch mein Büro an der RUB war ich schon einige Zeit nicht mehr zum Lernen in einer Bibliothek, dass wird sich hier wohl ändern werden. Die Fachbibliothek an der UU ist echt schick. Man darf darin gar seinen Kaffee schlürfen, zumindest sagt die "Aufseherin" nichts. Lediglich die Öffnungszeiten sind nicht so großzügig wie ich es aus Bochum kenne; um 16:30Uhr muss ich dann wohl immer Feierabend machen.
Mittlerweile einmal jeden Wochentag durchlebt, kann ich schon behaupten mich in Uppsala eingelebt zu haben und auch die Orientierung in der (nicht wirklich großen) Innenstadt stimmt einigermaßen. Am Freitag schlenderte ich anschließend etwas durch die Stadt. Der H&M ist größer als in Bochum, der IKEA nicht, in den Banken muss man länger warten, die Menschen nehmen mehr Rücksicht aufeinander, eine Nummer gibt's fast überall (auch wenn eigentlich keine Warteschlange existiert) und das positivste Einkaufserlebnis was ich bisher hatte ist, dass einem die Kassierer glauben. Stelle man sich einen deutschen Supermarkt, vorzugsweise einen Discouter im Unicenter in Bochum, vor und nach langem warten (ist hier auch anders) will man den reduzierten Artikel bezahlen. Schnell wird der Preis gescannt und das ist noch der Normalpreis..... was würde in Deutschland sehr wahrscheinlich passieren. Entweder ewig lange zur entsprechenden Abteilung telefoniert, falls das nicht Hilft und der Filialleiter keine Zeit hat, bezahlt man halt den nichtreduzierten Preis oder kauft nicht. Mein Zimmergrün war hier so ein Fall, wie auch ein reduziertes Hemd...... aber in Schweden glauben die Leute mir. Ich sage, das ist im Rea (=Ausverkauf) und der Kassierer tippt einfach den genannten Preis ein. Gut ist!
An anderer Stelle sind die Schweden da misstrauischer. Um in die preiswerten Pubs und Partys der Nations zu kommen, muss man einer Nation beitreten. Das geht nur als Student und ich hab's noch so gerade 5min nach Büroschluss geschafft mich zu registrieren, Gabriele nicht. Ohne die ID-Karte, die es dann gibt, ließen die Türsteher uns einfach nicht rein, auch die gute Mine half nicht (ob das bei Frauen wohl anders ist?!). Naja, nun muss Gabriele sich erstmal organisieren, damit es dann auch mit den Partys klappt, denn auf der Notlösung Korridorparty gab's einen allzudeutlichen Männerüberhang.
Mit Gabriele, ein Korridornachbar, mache ich hier einiges zusammen. Er ist Italiener und hat diese "Verplantheit" bei einigen Sachen, was ich aber im Moment noch lustig finde. Zudem erinnert er mich an meinen Bruder, Gabriele hat es binnen einer Woche geschafft die Key-Karte für's Haus, seinen Fahrradschlossschlüssel, seine Handschuhe und sein Waschpulver zu verlegen!

Mittwoch, 21. Januar 2009

Origin of Nordic-Walking


Seit meiner Ankunft fällt mir die Freunde der Schweden an Outdoor-Aktivitäten auf. In einem Sportladen wäre ich daher auch fast von Fleece-Shirts, the-North-Face Jacken, Mützen und Handschuhen erschlagen worden. Wenn ich mehr Geld ausgeben wollte, könnte ich.....
Es ist aber entgegen meiner ersten Vermutung nicht so, wie man es aus Deutschland kennen mag, erstmal Sportausrüstung kaufen, Sport machen aber nur vielleicht. Die Schweden tragen scheinbar immer noch ein Wikinger-Gen in sich. Bei Wind und Wetter geht's raus. So sah ich heute vormittags beim Laufen irgendwo im Wald schon eine Menge Spuren im Schnee, ganze Rudel oder auch einzelne Nordic-Walker kreuzten meinen Weg. Wobei ich bei deren Anblick zwangsläufig mit einem Schmunzeln an Jörg und Dirk denken muss, die scheinbar die größten Fans dieser Sportart sind. Die Wälder hier sind durchzogen von Pfaden die meist auch irgendwo an einem markanten Punkt auf einen größeren Weg münden. Gestern klappte es prima, bei einem Lauf konnte ich mich kilometerlang anhand kleiner Wegweiser orientieren und bin letztlich dort gelandet, wo ich hin wollte. Nachdem es nachmittags deutlich zu Deutsches Wetter hier hatte, kamen heute die Minusgrade zurück. So war der angetaute Schnee wieder fest vereist. Nach dem Aufstehen hatte ich Lust eine Strecke nördlich von Flogsta zu erkunden.
Ein kurzer Blick auf die Karte und los. Angedacht war ein Lauf von rund 45min. Schon beim bergab Stück direkt am Haus merkte ich, dass der Boden gut glatt war. Wie geplant kam ich kurze Zeit später in den Wald. Ein Fluss irgendwo im Norden hatte ich mir als Orientierung vorgenommen und so lief ich viele zackige Pfade kreuz und quer durchs Holz. Mal lag mehr, mal weniger Schnee.
Alles in allem eher ein Cross-Lauf. Der Fluss wollte nicht kommen und beim Kreuzen einer Straße lief ich diese entlang. Als Uppsala einfach nicht am Horizont auftauchen wollte und ich auch wegen der Wolkendecke reichlich die Orientierung verloren hatte, stoppte ich nach einigen Kilometern an einer Bushaltestelle. Toll! Die Linie geht von Uppsala nach Sala und ich laufe in Richtung Sala; also gerade weg von Uppsala. So hatte ich irgendwann dann 16km - 17km in den Beinen und musste mich ordentlich spurten, denn der Plasmaprof würde sicher nicht auf mich warten.
Eine Streckenrekord für den Weg zum Angstrom hätte ich heute jedoch sicher nicht aufstellen können. Die Wege waren ars.... glatt. Meist eine reine Eisfläche und die Devise konnte nur sein, ja nicht stark lenken und nur wenig bremsen. Das Reifenprofil ähnelt auch eher slicks, dennoch ging bisher alles ohne Sturz; eigentlich verwunderlich.
Die Norrlands Nation hat in der Stadt einen schönen Pub, der vom Stil her etwas an britishe Pubs erinnert. Die Bierauswahl ist riesig und das Essen der Rede nach gut. Gestern kehrten wir (3 x Italien + ich) dort ein, auch weil wir für den Eintritt in den Club locker eine Stunde hätten anstehen müssen. Der Abend war unterhaltsam, ich stellte fest, dass wohl nicht jeder Italiener bei der Mafia ist und die Italiener guckten verdutzt, als ich sagte, ich (ein Deutscher) trinke eher wenig Bier. Die erste Woche ohne Bochum war insgesamt voll mit neuen und meist guten Eindrücken. Hier ist alles sehr offen und unter den int. Studenten kommt es schnell zu etwas Smalltalk, so heute im Touristenbüro mit einer netten Russin mit einer tollen, warmen Mütze (Uschanka).

Montag, 19. Januar 2009

Mein erster "Schul"-Tag

Etwas kam das Schulgefühl schon auf, als ich heute meine ersten Vorlesungen im Angstrom (dem Physikgebäude) besuchte. Zwar sitzen in Bochum in den meisten Kursen mittlerweile meist auch weniger Leute als in einer Schulklasse, aber heute waren es in den beiden Verstaltungen jeweils nur vielleicht 10 bis 15 Studenten. Das ist schon angenehm und wahrscheinlich der Traum eines manchen Medizin- oder BWL-Studenten in Deutschland.
Die Räume sind schon neu eingerichtet, modern ausgestattet und sauber. Da finde ich keinen Grund zum Klagen.
Heute ging es schon richtig los, ich hatte gleich um 9 Uhr "Solarenergi - teknik och system" und weil das so toll ist und es offenbar mehr Betreuer (10!!!) als Hörer gibt, gab es um 13 Uhr gleich einen doppelstündigen Nachschlag. Dazwischen hatte ich dann das Vergnügen einmal fix in die Stadt zu radeln und 2 Stunden Plasmafysik zu hören. Leider war es dann, als ich so gegen 15:30 Uhr wieder in Flogsta war, auch schon fast dunkel.
Wie dem auch sei. Wer gerne Rad fährt, der ist in Uppsala richtig. Hier ist es mindestens wie in Münster und mein "Arbeitsweg" werde ich die nächste Zeit wohl auch radelnder Weise meistern. Von Flogsta geht's erstmal knackig kurz bergab - beim Rückweg also anstrengend bergauf - dann etwas über Feld und Flur und einmal durch den Wald, in rund 15 min bin ich dann locker da. Daher muss ich meine "20min-vor-Veranstaltung-Aufsteherei", die ich aus Bochum kenne, wohl auf eine halbe Stunde ausdehnen :-)
Wobei ich sicher noch was rausholen kann. Denn Daniel, mit dem ich heute zusammen zum Angstrom gefahren bin, war eine ordentliche Bremse. Der hatte die Ruhe weg, Südländer halt.

Mit dem tollen, weißen Rad, an dem mein Vater eine heiden Reperaturfreude hätte, lassen sich immerhin noch IKEA Einkäufe erledigen. Denn nachdem ich gestern ein unabgeschlossenes Fahrrad besorgt bekommen hatte, bin ich mit zwei Nachbarn einmal quer durch Uppsala in ein Gewerbegebiet gefahren. Da stehen all die üblichen und auch unüblichen Supershops. Gabriele, ein Student aus Rimini, meinte in der Kinderabteilung, IKEA ist kein Geschäft für Männer und strahlte um so mehr, als wir anschließend im Bauhaus-Markt waren. Vollbepackt ging's durch die Kälte zurück und abends zur Pub-Night in der Värmlands Nation. Da staunte ich nicht schlecht. Im streng, teuren Schweden gibt's nen 0,33L Becks für 25SEK (= 2,30EUR); dabei kostet 1,5L Supermarktwasser schon 1EUR!
Eben hat es begonnen zu schneien, vielleicht hätte ich mir also doch besser die Spikes für die Schuhe gekauft, die ich schon mit an der Kasse hatte. Heute ging das Laufen noch ohne, die Schweden sind recht großzügig mit dem Splittstreuen - aber morgen könnte es beim Laufen und Radeln eine Rutsche geben.

Samstag, 17. Januar 2009

Läufer eher Exoten

Irgendwann mittags packte mich die Lust mal Laufen zu gehen. Wohin, wie lange und wie weit......? Keine Ahnung; erstmal los! Draußen war Sonne, die sich aber so gegen zwei schon beginnt zu senken, aber lichte bleibt's dann doch bis gegen vier. So wirklich hoch steht der Stern hier ehe noch nicht.
Es waren laut meinem Thermometer so -11°C; wie richtig das ist, kann ich nicht sagen, aber die Kälte ist nicht so extrem, wie es klingen mag.
Von Flogsta aus stehe ich bald im Wald. Auf der Karte habe ich mir vorher mal etwas die Gegend angeguckt. Südlich von Uppsala ist ein See bzw. wohl eher irgendein Fjord, den wollte ich mir ansehen.
Und welch glück, ohne Verlaufen, was hier etwas fatal sein könnte, stand ich urplötzlich vor einer riesigen Lichtung.
Also hier ist ja nicht alles Wald, aber eigentlich bin ich nur von Wäldchen zu Wälchen gelaufen und irgendwann war da dieser große, weiße Fleck: der Fjord.
Ich war erstmal überwältigt! Da reichen von den Uferhäusern Stege ins Wasser/Eis, eine Familie saß am Ufer und Grillte (!!!), kein Fußball nebenher, Schlittschuhfahren ist Volkssport.
Dann wollte ich auch aufs Eis und welch Wunder, es ist rutschig! Aber mit einiger Konzentration lässt sich auch darauf Laufen. Die rund 2km auf Eis dauerten Zwar, aber so fielen die Stops zum Knipsen leichter. Einige Schweden gucken mich an, als sei ich ET persönlich. Nicht weil man in Schweden nicht läuft, mehr weil alle anderen Schlittschuhe hatten und mit oder ohne Segel hin und her sausten.

Als ich wieder auf festem Boden stand, fühlte sich das an als wenn die Reibung mich regelrecht vorwärtsschiebt.
Auf irgendeinem anderen Weg machte ich mich wieder auf Richtung Uppsala Zentrum und von da nach Flogsta. Letztlich waren es grob vermessen 23km in 1:50 Std. und ein schöner Lauf mit sicher bleibenden Eindrücken.

Organisieren



Die erste Nacht musste ich zwangsweise in einem Hostel in der Innenstadt schlafen, da mein Zimmer erst Freitags frei geworden ist.
Am Vormittag gab uns Carlos, der ERASMUS Koordinator der Physik-Fakultät, einige Infos.
Uns, das sind neben mir noch zwei Italiener aus Turin, die wie es der Zufall so will im gleichen Mehrbettzimmer im Hostel eine Zwischenstation machen mussten.
Das Angstrom, so heißt der Gebäudekomplex in dem die Physikfakultät ist, ist toll. Recht groß, super neu, moderne Ausstattung, lichtdurchflutete Räume und sauber. Da kommen einem die Deckenplatten nicht halb entgegen beim bloßen Anblick.
Anschließend ging's mit Sack und Pack nach Flogsta. Dieser Stadtteil im Westen von Uppsala ist hauptsächlich von Studenten bewohnt. Ein Wohnblock reiht sich an den nächsten. Im Vergleich zur schicken Grimberg WG ist der Korridor mit 12 Studenten wenig beschaulich. Eine Küche, die alles mindestens zweimal hat, wobei das eine von zweimal nur halb funktioniert, ist der Herz dieser riesen WG. Meinen Anspruch an Ordnung werde ich hier recht weit fallen lassen müssen. Dennoch wird's wohl spaßig werden, die Geschichten von Jan und Jörn legen die Latte hoch. Jans Zimmer erbe ich nun nebenbei.
Der Kaffeekocher zwang mich z.B. erstmal zum Morgensport, bevor ich dann doch die normal Kaffeemaschine genommen habe. Das Ding explodierte einfach und die Küche war besprengt mit Kaffee.
Die ersten, zahlreichen Eindrücke sind gut. Ich werde heute versuchen ein Fahrrad zu bekommen, denn ohne geht nichts und neben einigen kleineren Besorgungen will ich eine Runde Laufen gehen. Da muss ich jedoch aufpassen, denn ich befürchte, dass im Falle des Verlaufens, nicht so schnell die nächste Zivilisation naht. Übrigens für die Wetterfüchse; gestern Abend um 11pm waren es -18,6°C und jetzt am Mittag sind es -10,3°C

Leere, rote Häuser, viel Natur und nicht-endenwollende Autobahnen

Nun da ich mich bereits in Deutschland in den letzten Wochen an kühles, nordisches Wetter gewöhnen konnte, erwarte ich diesbezüglich keine Schock. Am meisten habe ich eigentlich bei unfreiwilligen Extrawatezeit in Dortmund die Kälte gespürt, dafür war der Bus – der mich letztlich doch gen Norden mitnahm – saunawarm.

22 Stunden lang hatte ich Zeit langsam an Schweden und von Bochum weggeführt zu werden. Als der Bus so gegen 3 Uhr im dunkel(en)-Deutschland auf die Scandlines Fähre für erreichte ich das Deck noch so passend, dass ich den verschwindenen Hafenlichtern nachsehen konnte. In der Tiefe der Nacht wirkt die Ostsee einfach nur kühl und einsam. Nach einiger Zeit tauchten die Lichter am dänischen Anleger auf und nach 45 min an Bord saß ich wieder im Bus. Die nächste Station war Koppenhagen, ohne größeren Halt rollte der Bus durch Dänemark – aber vielleicht gibt es da ja ehe nicht viel zu sehen.

Nachdem Kopenhagen verlassen war, ging ich eigentlich davon aus der Bus fahre über die Brücke nach Malmö. Irgendwann wachte ich auf und stellte fest, dass dem nicht so ist und wir gerade wieder in den Schlund einer Fähre rollen. Diese Überfahrt nach Helsingborg dauert nur kurz und dann war ich erstmal in Schweden.

Meine nächtliche Ruhe störten sehr schnell zahlreiche „Tull“-Beamte, die erst unsere Pässe kontrollierten, dann der Hund das aufgereihte Gepäck abschnüffelte und anschließend jeder einen „Privattermin“ im Zollgebäude hatte. Da ich in einem Bus saß, der Gäst aus Spanien (mehrere Tage Busreise!!!) und Frankreich dabei hatte, waren auch einige Nichteuropäer dabei, die, von Afrika aus, was auch immer in Schweden machen wollten. Ohne wirkliches Englisch ist die Verständigung aber eher zäh und so wurden hier Koffer und Leute richtig unter die Lupe genommen. Mir vertraute der Zoll auch so ;-)

Die Sprache war ehe etwas, was mehr Probleme machte als ich gedacht hätte. Konnte der erste Busfahrer (bis Hamburg) noch mindestens Deutsch und Englisch, so waren die zwei „Hamburger-Kerle“ am Steuer bis Stockholm davon überzeugt, je lauter und aggressiver man den Gegenüber anbrüllt, je besser wird man verstanden. Dem ist natürlich nicht so und das Wort Polizei fiel öfter, wenn mal jemand nicht aussteigen wollte oder einen Halt „nur“ zum Ausstieg auch zu einer ausgedehnten Pause machen wollte. Irgendwo ist der Bus auch einfach weggefahren, als noch mehr Leute draußen waren als es hätte sein sollen, aber die Busfahren waren halt auch sturr.

In Schweden wachte ich nach einiger Zeit wieder mal von der „Döserei“ auf und was ich sah war Natur. Wald, wenige verstreute Holzhäuser typisch schwedisch mit Faluröd angestrichen und eine Autobahn die ungefähr so viele Autos nutzen wie die A40 am ersten Mai.